Montag, 11. April 2016

Հայաստանի Հանրապետություն (Armenien) und საქართველო (Georgien)- eine Odyssee durch die Berge



Armenien und Georgien, nach der islamischen Republik Iran zwei Laender, die sich jeweils als erstes und zweites weltweit als christliche Laender deklariert haben. Zwei besondere Sprachen und Kulturen mit eigenem Alphabet und aeltesten Weinbautraditionen. Und zwei Lander mit Bergen, die es in sich haben.

Nichts mit feierlich Kopftuch abnehmen nach dem Iran, dafuer ist es zu kalt. Vier Paesse ueber 2000 m sind es bis zur Hauptstadt Yerevan. Viel langsamer als erwartet geht es die steilen Steigungen hoch. In den kleinen Dorflaeden gibt es fast nur Wurst, Alkohol und Suessigkeiten zu kaufen. Obst und Gemuese ist teure Mangelware, die meisten sorgen privat fuer den Winter vor.
Wir radeln zum wunderschoenen Kloster Tatev, durch einsame Doerfer ueber viel unbefestigte Wege.
Spaeter auf dem Hauptstrasse durch Armenien kommen uns Armeefahrzeuge und Panzertransporte entgegen. In Bergkarabach gibt es schon wieder Gefechte. Armenien befindet sich noch immer im Krieg mit Aserbaidschan, auch wenn mensch im Landesinneren wenig davon mitbekommt.

Als wir den dritten 2000er Pass erklommen haben geraten wir in einen Schneesturm. Wir koennen nichts mehr sehen, natuerlich gibt es Gegenwind mit fiesen Eiskristallen, an ein Vorankommen ist nicht zu denken, die naechsten Siedlungen kilometerweit weg. Uns reichts, wir trampen und haben extra unsere (einzigen) Warnwesten, die wir samt tuerkischen Logo in der Tuerkei geschenkt bekommen haben, vorsorglich nach links gedreht. Dem netten Mann, der uns dann in seinem Transporter mitnimmt, faellt es trotzdem sofort auf. Tuerkische Flagge geht natuerlich gar nicht, weist er uns gleich drauf hin. Super freundlich ist er trotzdem. Nachdem wir es heil den Berg herunter geschafft haben, halten wir an einer Kirche und zuenden Kerzen an, dann laesst er sich nicht davon abhalten uns auch noch Essen zu kaufen und Kaffee zu machen.

Und dann bei Yerevan steht er einfach da, wie aus dem nichts aus der Ebene gewachsen, unglaublich gross und maechtig: Der Ararat. Einer der imposantesten Berge, die wir je gesehen haben.

Wir sind froh, endlich in Yerevan zu sein und muessen uns erst einmal etwas erholen und ganz viel Obst, Gemuese, unglaublich leckeres Brot und lokalen Schafskaese essen. Ausserdem schauen wir uns das armenische Genozidmuseum an, was die auch heute noch angespannten Beziehungen zwischen der Tuerkei und Armenien nachvollziehbar macht. Wie so oft habem die Deutschen 1915 auch ihr Scherflein dazu beigetragen...

Nocheinmal zwei 2000er Paesse, diesmal mit angenehmeren Steigungen in hochalpine Steppen nach Georgien. In der ersten Nacht in Georgien liegen wir bei Minusgraden im Zelt und freuen uns einfach nur aufs schwarze Meer. Zwei wunderschoene Abfahrten spaeter (natuerlich, wie sollte es anders sein, mit einem weiteren 2000er Pass zwischendrin) fahren wir innerhalb von Stunden runter in den Fruehling. In Batumi ist es warm und gruen und waehrend wir in die Stadt fahren treffen wir auf nette Georgier, die uns spontan zu sich einladen. Wie schoen. Wir probieren georgische Spezialitaeten, werden mit den besonderen (strengen) georgischen Toast- und Trinkritualen bekannt gemacht und feiern so am Strand unsere Ankunft in der Waerme.


beim Meghri Pass

beim Kloster Tatev

beim armenischen Genozidmuseum

Yerevan mit Ararat im Hintergrund









Kloster Tatev



jemand hat hier den Weg frei gemacht

Talfahrt in Georgien

in Batumi

Brot mit Bohnenpaste gefuellt- Lobiani

Dienstag, 5. April 2016

ايران (Iran) unterwegs im Jahr 1395

So, endlich tut sich auf diesem Blog wieder etwas. Leider ist unser Laptop abgesoffen, deswegen die etwas laengere Pause. Wir waren einen Monat in Indien und einen Monat im Iran unterwegs, im Iran ist auch der Zugang zu den gaengigen Blogseiten gesperrt. Die Fotos zu Indien sind leider erstmal mit abgesoffen, blogpost und Fotos dazu werden spaeter nachgeholt.

Iran. Wir sind noch einmal geflogen, obwohl wir das ja eigentlich nicht gerne machen. Aber Pakistan vergibt kaum noch Visa an Radfahrende und wenn dann nur mit Polizeieskorte und darauf hatten wir keine Lust. So sind wir also von Delhi nach Shiraz geflogen. Ohne Visa, in der Hoffnung Visa on Arrival zu bekommen. Der Nervositaetsgrad war leicht erhoeht, aber dann endlich: Welcome to Iran, und das direkt fuer 30 Tage. Am Flughafen helfen uns gleich nette Taxifahrer die Raeder zusammen zu bauen. 

Was als erstes auffaellt: Da sind wir monatelang in Suedostasien unterwegs und dann sehen wir ausgerechnet in Shiraz so viele Haendchenhaltende Paare wie schon seit Australien nicht mehr. Wir haben vorher sowieso schon gewitzelt, dass wir ab Iran quasi "back in Europe" sind. Und ja, es gibt ordentliche Waschmaschinen, Warmwasserduschen, Heizungen, Brot und Milchprodukte, klare Luft! Der Wahnsinn. 

In Shiraz verbringen wir einige Tage zum akklimatisieren in einem Hostel und bei supernetten Gastgebern, schauen und ein paar Sehenswuerdigkeiten an. Dann geht es in die Wueste Richtung Persepolis und Yazd. Direkt am ersten Abend werden wir von der Strasse weg von zwei jungen suessen Paaren zum uebernachten eingeladen. Werden genoetigt in ihrem Bett zu schlafen, selbst gebrannten gibt es auch.
Iran ist in Radfahrerkreisen sehr fuer seine aussergewoehnliche Gasstfreundschaft bekannt. Und ja es ist extrem: wenn wir alle Einladungen zum Tee, Essen, Uebernachtungen annehmen wuerden, kaemen wir gar nicht vom Fleck. Jeden einzelnen Tag bekommen wir etwas geschenkt: Obst, Nuesse, Brot, Tee, Kulis, Toffees, Socken, auch pinke Monatsbinden werden ihr schonmal als Willkommengeschenk angeboten. Wir haben tatsaechlich das Gefuehl als wuerden sich quasi alle Iraner die wir unterwegs so treffen, persoenlich dafuer verantwortlich fuehlen, dass wir eine gute Zeit haben. Immer fuehlen wir uns sicher. Das ist sehr beeindruckend.

Nach dem super patriarchalen Indien faellt es uns stark auf, wie selbstverstaendlich Maenner aller Hintergruende und Altersklassen im Haushalt und Kueche helfen, Dabei sieht hier die Rechtslage fuer Frauen/Ehe und co. ganz anders aus als in Indien, 
Privatheit ist eines der hoechsten Gueter, die Mauern aller Haeuser sind hoch, die Fenster uneinsehbar. Nur so kann im Privaten einfach das Kopftuch abgenommen oder auch mal getanzt werden. Da werden die eigentlich verbotenen persischen Fernsehsender aus dem Ausland geschaut.

Die Kontraste sind gross: In den Staedten sitzen die Kopftuecher manchmal sehr weit hinten, sind die Maentel oft recht kurz, aber es sind auch sehr viele Frauen in schwarzen Tschadors auf den Strassen und in vielen Doerfern ist Sie manchmal die einzige Frau auf der Strasse. Aber wie meinte einer unserer Hosts: " its all show, most people here are anarchists." Ganz anders als in Indonesien hoeren wir hier sehr selten den Gebetsruf oder sehen Menschen zur Moschee eilen.

Iran ist blau und sandfarben. Viele wunderschoene alte Gebaude und Moscheen aus Lehm, Sandstein und blauen Mosaiken duerfen wir in Yazd und Esfahan sehen. Die beruehmten Windtuerme zur Kuehlung der Haeuser. Und die Landschaft: Wir befinden uns fast durchweg auf ueber 1500m, fahren durch bunte Wuesten-Berglandschaften, Wir essen Datteln und Joghurt ohne Ende, Fahren in Esfahan mit einem Radclub durch die wunderschoenen Parkanlagen entlang des Flusses, ca 30% der Mitglieder sind Frauen. 

Wir haben das Glueck waehrend des Neujahrfestes Nouroz unterwegs zu sein. Die Menschen haben Zeit, sind selbst auch unterwegs, In Tabriz werden wir wieder von der Strasse weg von einer iranischen Bergsteiger- und Klettererfamilie eingeladen. Die Familie hat die beste Outdoorausruestung, die man sich so vorstellen kann und lebt mit 4 Kindern in einer 1,5 Zimmer Wohnung. Persischer Minimalismus: ein Teppich ist Sofa, Tisch, Bett in einem. Die deutsche "Platzangst" scheint hier ueberhaupt kein Thema zu sein. Sie sind so happy uns als Gaeste zu haben, wir wissen ja immer gar nicht warum, aber hey, wenn wir Leute gluecklich machen konnen, macht uns das natuerlich auch gluecklich. Die letzten 200 km zur Grenze begleiten uns die Jungs auf dem Rad, wir uebernachten beim beruehmten Akbar "gem of the silk road" der quasi alle Radler beherbegt, die durch den Iran reisen und bekommen die letzte Uebernachtung aus uns unbekannten Gruenden von einem iranischen Sportverband geschenkt. Vorher sind wir durch das wunderschoene Arastal gefahren, landschaftlich definitiv eines der Highlights unserer Reise. Und dann sagen wir nach 27 Tagen, 1862 km geradelten und ca 300km getrampten Weg hinter uns Aufwiedersehen zu einem besonderen Land mit unglaublichen Menschen.

in Shiraz, Shah Cheragh Schrein

Persepolis

nagsh e rostam




Wasserreservoir mit Wundkuehltuermen in Yazd

Meybod



in Esfahan





puerierte, getrocknete Fruechte, der perfekte snack

Arastal, zum heulen schoen













Montag, 8. Februar 2016

ပြည်ထောင်စု သမ္မတ မြန်မာနိုင်ငံတော်‌ (Myanmar/Burma) -Flut- und Grenzgeschichten-


Im Nordwesten Myanmars geht es weiter in die Berge, auf einer eigentlich erst neu asphaltierten und schon wieder kaputten Straße. Im Herbst 2015 hat Myanmar zerstörerische Überschwemmungen in der Regenzeit erlitten, überbeladene LKW tragen ihr übriges zur Straßensituation bei. Wir überqueren viele kaputte Brücken (die von jungen Frauen wieder aufgebaut werden), sehen jetzt fast trockene Flussbetten mit riesigen Sedimentablagerungen und viele Zeltcamps am Straßenrand in denen die Menschen leben, deren Häuser weg geschwemmt worden sind. An diesen Zeltdörfern und in ärmlichen Bergdörfern werden wir super nett begrüßt und die Leute bitten uns anzuhalten um Fotos von uns mit ihren Handys zu machen oder laden uns zum Kaffee ein, machen auch wieder Fotos und laden diese dann direkt superschnell auf Facebook hoch. Hier gibt keine intakte Straße aber gutes Handy-Netz.

Essen: Die Burmesen arbeiten körperlich hart und dementsprechend sind dann auch die Portionen. Ein Teller Reis mit Kichererbsen und Ei, 2 Samosas, 2 Banenen und dazu noch Toast mit Marmelade + Tee das stellt gerne ein Frühstück dar und ist genau die richtige Menge Kalorien für immer hungrige Radfahrer. Auch sonst wenn wir essen gehen, wird Reis nachgefüllt oder eines der vielen verschiedenen kleinen Schälchen mit Gemüse. In Myanmar wird viel frittiert und fermentiert, letzteres hilft dabei ersteres zu verdauen. Eigentlich kann man ja fast alles fermentieren: Teeblätter, Bambus, und sonstiges Laub gibt es meistens, mit oft absonderlichen Gerüchen und intensiven, aber guten Geschmack.

Je weiter wir Richtung indische Grenze kommen, umso christlicher werden die Dörfer. Manchmal in einem kleinen Dorf bis zu 10 verschiedenen Kirchen, von Katholiken über Baptisten bis hin zu Adventisten ist alles dabei. Hier leben viele verschiedene ethnische Gruppen mit verschiedenen Sprachen, inklusive vieler Konflikte durch verschiedene Unabhängigkeitsbewegungen. Wir dürfen in einer Kirche übernachten und haben jede Menge interessante Gespräche, die jetzt besser möglich sind, weil viele Leute hier in Indien studiert haben uns deshalb recht gut Englisch sprechen. Wir sprechen über die Missionare die während der Kolonialzeit die verschiedenen Gruppen missioniert haben: „They were educated and we were not, so it was quite easy to convert us“ erzählt der Jugendpastor. Auch Thema: wie hier viele quasi illegal aber auch selbstverständlich die Grenze zu Indien überqueren, weil auf der indischen wie Myanmar Seite Angehörige der selben ethnischen Gruppe leben und starke Netzwerke bestehen.

Am nächsten Morgen, ein Mann radelt mehrere Kilometer mit uns, erzählt über seine Familie: „ I have 12 children, 5 are expired, 7 are still with me.“ So viel zum Thema hohe Kindersterblichkeit.
Kurz vor der Grenze biegt er ab, auch er wird über die Waldgrenze nach Indien arbeiten gehen.
Wir müssen das alles offiziell machen. Vor einer Woche haben wir unser „Tamu Border Permit“ per E-Mail bekommen, ein teures Dokument, dass uns offiziell den Grenzübertritt über diese doch eher sensible Grenze erlaubt. Mit dem download lief allerdings mehrfach etwas schief. Andere Reisende haben geschrieben, dass es kein Problem sei, auch keinen Ausdruck der Permit dabei zu haben, weil alles sowieso an die Grenze gefaxt werde. An der Grenze angekommen ist das weit gefehlt. Der Grenzbeamte möchte gern eine Kopie des kompletten Dokuments, ein Fax hat er anscheinen auch nicht bekommen, und wo sei überhaupt unser Travelagent, der uns zur Grenze begleitet. Wir versuchen zu klären, Englisch ist aber leider limitiert. Das wir eine extra günstigere permit mit einem Travelagent haben, der nur auf dem Papier existiert, trägt nicht gerade zu unserer Entspanung bei. Ob wir das Dokument hier an der Grenze ausdrucken können? Nein, es gibt keinen Strom. Also fahren wir zurück in die Stadt, suchen einen Copy Shop, die ersten zwei können keinen Ausdruck machen weil: es gibt ja keinen Strom. Ein netter local hilft uns, einen Copyshop zu finden der mit Generator betrieben wird und uns die nicht vollständige Dokumentdatei so hinbiegt, dass es eine ganze Seite ausfüllt. (Internet natürlich ging auch nicht, um den Download nochmal zu probieren.) Mit dem Ausdruck des Dokuments in der Hand radeln wir zurück an die Grenze und bekommen tatsächlich den Ausreisestempel in den Pass. Wir verabschieden uns nach 1700km, 22 Tagen, unzähligen schönen Begegnungen.

nur 30 km weg vom Touristenziel Bagan



die Schönheit eines Heuhaufens

man wird ja wohl noch träumen dürfen

am Straßenrand


Paparazzi, im Hintergund Wohnhaus, kein Schuppen

das beste Essen was wir in ganz Myanmar hatten


in dem Tempel rechts durften wir tatsächlich schlafen

wir dürfen frühstücken, die Kinder sind schon am lernen

eine von x zerstörten Brücken

Ziel: Kindersoldaten zu ihren Familien zurück bringen

another morning

burmesischer Salat aus fermentierten Teeblättern


Flutschäden


ပြည်ထောင်စု သမ္မတ မြန်မာနိုင်ငံတော်‌ (Myanmar/Burma) - Land aus Gold und Staub-


Myanmar ist auch christlich und muslimisch, aber dominant ist der Buddhismus. Anders als Thailand mit seinen pompösen Tempeln gibt es hier in fast jedem kleinen Dorf eine Pagode, vorzugsweise golden angemalt. Davor oft laute Musik, Menschen murmeln Gebete oder Rezitationen in übersteuerte Mikrophone und davor wird Geld von den Passanten gesammelt, um einen neue Pagode zu bauen oder die alte zu vergolden, oder was auch immer. Schulen scheint es dagegen nicht so viele zu geben. Obwohl wir sehr darauf achten, nicht von Kindern zu kaufen, sind die meisten Straßencafes und Läden Familienbetriebe, in denen auch die jüngeren zu Zeiten mithelfen, in denen sie nach unserer Denke eigentlich in der Schule sein sollten.

Wir sind eine Attraktion, besonders er, der Mann mit dem Shwe-Bart (goldenen Bart). Wenn wir kurz halten, um in einem Dorf auf dem Markt etwas zu essen einzukaufen, ist er schnell von den ganzen Jungs und Männern mit den roten Betelnusslippen umringt. Meistens sind das sehr nette Begegnungen. In einer Stadt allerdings wird sofort die Polizei auf uns aufmerksam, die Grenze zwischen Hilfsbereitschaft und Kontrolle ist dann doch manchmal sehr fein: „Where do you go, can I help you?“ „Oh we just want to have a break and buy some food on the market“. „You can buy food in restaurant on the main road“ „No, we want to buy some fruit and vegetables on the market“ (sie zeigt ins Dorfinnere). Er: „There is no market“ Sie: „But I see the fruits stands there“, Er: „Ok what do you want to buy“. Wir bekommen jeweils einen Polizisten zur Seite gestellt die uns körperlich doch sehr eng folgen, uns nicht mit den locals sprechen lassen, sondern quasi alles für uns an den Ständen bestellen. Sehr unangenehm. Aus irgendeinen Grund möchte man uns nicht in Dorfinnere, zum Hauptmarkt lassen. Als wir auf der Hauptstraße wieder heraus fahren, sehen wir an jeder kleinen Seitenstraße einen Polizisten stationiert, der in sein Funkgerät spricht, sobald wir weiter gefahren sind. Schon vorher ist uns ein Polizist in Zivil auf seinem Moped kurz gefolgt uns hat uns ausgefragt. Als wir später dann endlich in Ruhe eine Pause auf dem Feld machen sehen wir mehrere Polizeiautos, die ein paar dunkle Limousinen eskortieren. Vielleicht war das der Grund für die Nervosität der Polizei? Zumindest ist uns das nur einmal passiert.

Noch dürfen in Myanmar Touristen nicht campen sondern eigentlich nur in lizensierten Gasthäusern übernachten. Diese sind in der niedrigsten Preisklasse bisher das allereinfachste was wir bisher an Gasthäusern erlebt haben, und das immer noch meistens zu einem Preis, für dem man in Thailand in einer kleinen Luxussuite übernachten könnte. Da außerdem von diesen Gasthäusern immer noch viel Geld ans Militär zu gehen scheint und Gasthäuser auch nicht immer in Reichweite für Radetappen zu finden sind, versuchen wie diese Art der Unterbringung so weit es geht zu vermeiden. Meistens campen wir wild. Das ist zuerst gar nicht so einfach, weil wir um nicht entdeckt zu werden, erst bei Anbruch der Dunkelheit auf Zeltplatzsuche gehen, dann fix das Zelt aufbauen und dann mucksmäuschenstill sind und kein Licht mehr nutzen. Oft haben wir Angst entdeckt zu werden, nach zahlreichen Stories anderer Radfahrer wie sie mitten in der Nacht von der Polizei aufgefordert wurden ihren Zeltplatz zu räumen. Aber wir haben Glück, durch die Vollmondnächte finden wir oft gute Spots und werden kein einziges Mal gefunden.

Das gelingt uns insbesondere gut, als wir am Irrawaddy entlang fahren und langsam in die „Dry Zone“ von Myanmar kommen, einem wüstenähnlichen Gebiet, mit ganz besonderem Licht, Staub und Sandlandschaft. Die Dörfer werden weniger und ärmer, mit Ochsenkarren werden Palmblätter zum Abdichten der Häuser transportiert. Getreideähren werden auf der Straße ausgelegt, die Trucks fahren drüber, die Frauen fegen das so gedroschene Korn von der Straße in ihre Körbe. Gewusst wie.

Manchmal fragen wir auch in Tempeln an, ob wir eine Nacht bleiben dürfen. (Wir hinterlassen dann immer eine kleine Spende). Manchmal werden wir abgelehnt, oft dürfen wir bleiben. Bei einem alten Mönch, mit dem wir uns mühsam den Abend lang unterhalten, in einem Dorfgemeinschaftshaustempel, einmal in einem luxuriösen Tempel auf einer Bergkuppe. Oft werden wir dann sogar noch zum Abendessen oder Frühstück eingeladen. Dann stellt sich immer „Problem“ mit dem Waschen. Ans Waschen im Mandi sind wir gewöhnt. In ganz Südostasien haben wir uns auf geschlossenen Toiletten mit Wasserbecken mit einer Schöpfkelle kaltes Wasser übergekippt. Hier gibt es allerdings meistens nur einen öffentlichen Dorfbrunnen, an denen sich alle waschen, während sie mit einem Longyis, einem rund gewebten Stück Stoff bekleidet sind. Er zieht einfach eine kurze Hose an und wäscht sich am Brunnen, nur Sie hat eben keinen Longyi oder vergleichbares. Natürlich ziehen wir außerdem noch jede Menge Zuschauer an, die neugierig auf uns sind, während uns das eher peinlich ist, beim Waschen so beobachtet zu werden. Mit langem Hemd und Hose wird das dann oft eher eine Katzenwäsche, bis Sie irgendwann einen Longyi am Straßenrand findet. Auch dann ist das Duschen eine Kunst, die gelernt sein will, denn der Longyi wird nass und schwer und sollte dann schon so geknotet sein, dass er nicht anfängt zu rutschen. Dann ist der Waschgang fertig und der zweite trockene Longyi zum Reinschlüpfen fehlt. Es ist aber auch kompliziert: kleine Microfaserreisehandtücher, was hat sich die Outdoorindustrie nur dabei gedacht...

Mitten in der Dry Zone steht dann Mount Popa, ein alter Vulkan, grün und bewachsen und davor ein hoher Felsen mit Tempel und Stupa bestückt. Wir schieben unsere Räder den steilen Berg hinauf, ein Mönch schiebt das Rad mit an. Dann ziehen wir unsere Schuhe aus um die letzten 777 Stufen auf den Felsen zu gehen und uns den (darf man das kritisch sagen) religiösen Kommerz anzuschauen, die Geldscheine kann mensch direkt an Buddha kleben. Trotzdem beeindruckend.

Von Mount Popa aus geht’s abwärts und wieder beginnt die Wüstenlandschaft. Dann sehen wir einen Truck voller Kinder. Kinder an der Straße. Viele Kinder. Ohne Dorf in der Nähe. Sie begrüßen uns freudig, klatschen ab. Immer mehr Kinder alle 50 m, teilweise 2- jährige dabei, behinderte Kinder, keine sichtbaren Eltern in der Nähe. Dann beginnt eines der Kinder zu rufen: Money, Money! Und uns wird klar, dass hier Kinder organisiert mit dem LKW angekarrt werden, mitten ins Nichts, um zu betteln. 15 km lang fahren wir die Wüstenstraße entlang, an beiden Straßenrändern stehen alle 50m Kinder, alte Menschen, junge Erwachsene: alle sind höflich, alle warten auf einen Schein, der aus den fahrenden Autos geworfen wird. Wahrscheinlich von den Pilgern, die auf den Weg zu Mount Popa sind.

Nur 50 km sind es bis nach Bagan, der beeindruckenden alten Tempelstadt, die wie verlassen zwischen Palmen in der Dry Zone steht. Frühmorgens kommen wir mit unseren Rädern an, sehen die vielen kleinen wunderschönen Tempelgruppen, Stupen und größeren Bauten bei Sonnenaufgang samt der Heißluftballons, die zu diesem Zeitpunkt über Bagan schweben. Einen Tag lang radeln/schieben wir auf kleinen Wegen uns durch das riesige Areal, kochen uns Frühstück abseits der populären großen Tempel mit den dazugehörigen, nachvollziehbaren aber nervigen Verkaufsabsichten und checken abends dann doch mal wieder in einem Gasthaus ein. 

in fast jedem Ort zu sehen

burmesische Buddhafiguren sind meistens weiß, mit roten
Lippen und schwarzen Brauen, Halsfalten nicht zu vergessen,
eine Brille hat nur dieser


Korn dreschen

alte Alleen

er wollte nur Tomaten kaufen

bei Mount Popa

durch die Dry Zone
gut, dass wir mit GPS fahren
Morgens in Bagan



durch Bagan mit dem Rad

Bagan
Bagan